Die Welt ein klein bisschen besser machen …

Die Herbstferien haben meine Familie und ich dazu genutzt in der Nähe von Osnabrück in einer alten Scheune zu übernachten. Die Scheune war jetzt nicht irgendwie ein altes heruntergekommenes Gebäude, sondern innen komplett neu renoviert, mit einem modischen Design und auch mit modernster Technik ausgestattet. Sie gehört einer alten Adelsfamilie, die in einem Gutshof wohnt, der schräg gegenüber lag, umgeben von einem großen Wassergraben und im ländlichen Gefilde, weit fernab von allem städtischen Gewimmel. Dieser idyllische und romantische Mix aus Alt und Neu, eingebunden in viel Natur, das hatte großen Erholungswert. 

In der Scheune selbst waren noch viele Gegenstände aus den letzten Jahrhunderten vorzufinden, die wir so in der heutigen Zeit gar nicht mehr kennen und meine Kinder kamen nicht aus dem Staunen heraus. Mich persönlich hat besonders ein altes und großes Gemälde fasziniert, auf welchem der Stammbaum des alten Adelsgeschlecht abgebildet worden ist. Er reichte weit bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ich habe mich gefragt, welche Geschichten und Dramen hinter all diesen alten ehrwürdigen Namen standen und was hier alles schon passiert ist. 

Ganz in der Nähe unserer Ferienwohnung lag auch das Museum Kalkriese, welches von der Varusschlacht handelte, vom Kampf der Römer und den Germanen, welcher zu einer Zeit stattfand, als Jesu Christi lebte. Diese Schlacht war damals ein herausragendes Ereignis und wirkt bis heute in unserer deutschen Geschichte nach. Die Germanen haben damals drei Legionen mit nahezu 20.000 Mann vernichtend geschlagen und den Römern eine herbe Niederlage beigebracht. Sie haben auch das Vordringen der Römer in das heutige nördliche Deutschland verhindert. Das Besondere war, dass die Römer zu dieser Zeit kriegstechnisch hervorragend ausgestattet und nahezu unbesiegbar waren. Hinzu kam, dass die Germanen damals kein einheitlicher Volksstamm waren, es gab nicht die “Germanen”. Sie waren ein Mischmasch aus verschiedenen Stämmen, die untereinander auch zerstritten waren. Sie zu einigen und gemeinsam auf einem Feind einzustimmen, war nahezu unmöglich und machten den Römern ein Vordringen sehr leicht.

Die Geschichte zur Niederlage der Römer ist geprägt von Verrat, viel Blut und hohem diplomatischen Geschick, sie ist – aus Sicht der Germanen – auch eine Verkettung von vielen glücklichen Ereignissen, in der ein Mann im Mittelpunkt der Geschehnisse stand. Die Stämme wurden angeführt von Arminius, der als Häuptlingssohn der Germanen geboren wurde, dann aber als kleiner Junge schon früh als “Fríedenspfand” den Römern übergeben wurde. Er wuchs in Rom auf, lernte die militärische Kriegskunst der Römer und konnte sich zu einem angesehenen Offizier hochdienen. Bei dem Kampf der Römer gegen die Germanen schaffte er es dann, gleichzeitig bei den Römern als tapferer Offizier zu dienen und im Hintergrund dennoch die Germanen zu vereinigen und sie auf die Schlacht gegen die Römer vorzubereiten. 

Als ich diese Geschichte gehörte, habe ich mich gefragt: Was war das für ein Mann? Wie konnte er eine solche Leistung vollbringen? Wie konnte er zwischen den beiden feindlichen Linien wandern, ohne dass es den Römern aufgefallen ist? Wie war es möglich, die verfeindeten Stämme der Germanen zu vereinigen, welches diplomatisches und strategisches Geschick stand dahinter?

Es steckt eine enorme Leistung dahinter, diesen Spannungsbogen als Mensch innerlich auszuhalten und zu bewältigen. Jederzeit stand die Angst im Nacken, aufgedeckt und dafür wegen Verrat hingerichtet zu werden. Das sind Fragen, die mich immer schon bewegt haben, wenn ich solche geschichtlichen Ereignisse erfahren habe. Hier habe ich mich gefragt: Was sind das für Menschen, was hat sie angetrieben, was war Ihre besondere Motivation, wie haben sie diese Herausforderungen gemeistert?

Ich schlage nun einen Bogen in die heutige Zeit. Seit gut zwei Monaten bekleide ich das Amt als Senatskoordinator und zeichne mich für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung der Freien und Hansestadt Hamburg verantwortlich. Ich werde oft nach meiner Motivation gefragt, aber auch, wie ich meine Ziele erreicht habe, welche Voraussetzungen dazu nötig sind. Als Antwort auf diese Fragen habe ich bewusst die Gesichte von Arminius gewählt, da sie gut zeigt, was Politik bedeutet und welche Eigenschaften man hierzu als Person mitbringen sollte, um selbst auch erfolgreich Politik gestalten zu können. 

Eine wesentliche Eigenschaft ist der Wille zur Gestaltung, der Wille und das Bewusstsein, Veränderungen herbeizuführen zu wollen. Hierzu gehört es, Vorstellungen zu haben, wie die Zukunft aussehen könnte, was anders werden muss, als es bisher war. Dazu braucht man Selbstbewusstsein und auch eine gewisse Portion an Kühnheit, denn es gilt ja auch, Regeln zu brechen. Ausgelöst wird so etwas zumeist ja auch dadurch, dass man mit einem herrschenden Zustand nicht wirklich zufrieden ist und man denkt, es geht besser. Was für einen aber besser erscheint, mag nicht für andere gelten und so ist das zum Einen oft auch ein Abwägungsprozess, wie weit man gehen sollte, weil es ja auch Ressourcen bindet, zum Anderen ist immer auch davon auszugehen, dass andere Menschen keinen Veränderungsbedarf verspüren und man entsprechend auf Widerstände stoßen kann. Es gilt hier ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen zu entwickeln, um dann entsprechend mit Überzeugungskraft auch Veränderungen bei anderen Menschen erwirken zu können. 

Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist es, ein gewisse Form an Widerstandsfähigkeit zu entwickeln, genauer: Resilienz. Ich sage oft, man darf Fehler machen, man darf hinfallen. Aber noch viel wichtiger ist: Mund abwischen und wieder aufstehen, es besser machen, nicht einfach liegen bleiben und aufgeben. Wenn man seine Fehler schnell selbst erkennt und einsieht, nicht lange damit hadert, dann fällt man nicht in ein tiefes Loch, sondern kann weiter an sich arbeiten und aus den Fehler lernen. Hier führt dann jedes kleine Erfolgserlebnis zu guten Gefühlen, es stellt sich Zuversicht und auch Siegesgewissheit ein. Hier fällt mir besonders Martin Luther ein, der einst sagte: “Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.” Oder aber auch Steve Jobs, der einst sagte: “Nutze jeden Tag so, als ob es Deiner letzter wäre.”

Ich habe nun mit einigen, wenigen Sätzen versucht, meine Art von Glaubenssätzen und meine Erfolgsfaktoren zu nennen. Manches klingt nach sehr einfachen Binsenweisheiten und zum Teil ist es das auch. Allerdings müssen diese tief in einem verankert sein und auch glaubwürdig bzw. authentisch gelebt werden. Das ist einfach gesagt als getan und bedarf viel Übung. Letztlich kann man in jeder Sache ein absoluter Meister werden. Der bekannte amerikanische Autor Malcolm Gladwell hat in seinem Buch “Überflieger” trefflich dargestellt, dass nicht Talent sondern Übung der entscheidende Faktor ist. Er stellt klar, dass man ein absoluter Meister in einer Sache werden kann, wenn man es 10.000 Stunden geübt hat – egal, was es ist. 

Meister sein, das ist eine Sache, diese Fertigkeit aber auch präsentieren, verkaufen, vermarkten, eine Andere. Es nützt nichts, wenn man etwas kann und niemand weiss davon. Es gilt also auch, die eigene Sache zu kommunizieren und entsprechend ein großen Personenkreis aufzubauen, auf den man dann zählen kann. Auf Neudeutsch heißt das heute “networken”. Und das Schöne ist, um es mit Paul Watzlawick zu nennen: “Man kann nicht nicht kommunizieren”. Wir Menschen sind sogar absolut auf Kommunikation aus und sind nicht für das Alleinsein ausgerichtet. Das ist eine wichtige Erkenntnis und sollten wir immer wieder vor Augen halten. Es bedeutet auch, sich gut zu überlegen, mit wem wir kommunizieren und immer auch abzugleichen, was uns persönlich und auch den anderen weiter bringt. Denn letztlich stellt eine sinnvolle und somit fruchtbare Kommunikation eine persönliche Bereicherung dar und führt zur weiteren persönliche Entwicklung und auch zu einer sinnstiftenden Tätigkeit und Berufung. 

Alle diese Überlegungen sind sehr rational getroffen und zeugen von wenig Emotionalität. Die Bedeutung von “Bauchgefühl” würde man somit verleugnen, das wäre aber nicht richtig. Denn wir können oft nicht rein rational entscheiden, da wir in kurzen Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen müssen und oft nicht alle Informationen vorliegen haben, die wir für eine richtige Entscheidung brauchen. Oft fehlt uns die Zeit, alle Informationen zu sammeln oder es sind schlicht einfach zu viele Informationen. Hier gilt es dann: “Augen zu und durch, Mut zur Lücke! Besser eine Entscheidung als keine Entscheidung!”. Unser Instinkt oder unser Bauch kann hier gut weiter helfen, da wir für viele Situationen ein inneres Gefühl entwickeln, das unseren Kompass steuert und die Richtung weist. Von Vorteil für unseren Kompass ist eine Art von Wertekanon, der uns wie ein moralisches Gewissen leitet und Vorgaben für unser ethisches Verhalten gibt. Auch das muss man in vielen Situationen üben und erproben. 

Wir sind hier dann wieder bei den oben genannten Glaubenssätzen. Denn: Was kann uns dann besser leiten als die Handlungsmaxime: “Jeden Tag die Welt ein klein bisschen besser machen …”?

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